Imaginationsräume – Zwischen Rom und Realität

Ein Experimentalfilm

Wir blicken auf Rom…:

 

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Alice Bleistein u. Natalie Hansen
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Die Vielseitigkeit der Wahrnehmung am Beispiel der Stadt Rom

Um die Wahrnehmung und deren Beschaffenheit wird heutzutage immer noch geschrieben und gestritten. Eines kann man aber mit hundertprozentiger Sicherheit sagen, dass die Wahrnehmung ein sehr entscheidender Faktor für jemanden, der etwas kategorisiert bzw. bewerten oder deuten will ist. Es gibt keine Stadt, um die so viele Mythen bestehen, wie es im Falle Roms ist. Diese Stadt war nicht nur in der Antike Dreh- und Wendepunkt der Zivilisation, auch im Laufe der Zeit etablierte sich diese Stadt zur „Literatur“-Stadt, die jeder große Denker erleben und fühlen sollte, wenn er was von sich hielt. Wie auch heute war die Wahrnehmung  schon damals eine Frage der Betrachtung, es kommt und kam darauf an, wie man etwas betrachtet bzw. betrachtete.

Zu der damaligen Zeit war es üblich, dass die Gesellschaft die Wahrnehmung der Bevölkerung beeinflusst hat. So kann man aus dem vorherigen Blog entnehmen, wie der Schönheitsbegriff von der Gesellschaft wahrgenommen wurde und von dieser ausgelebt wurde.  Als Goethe seine Italienreise machte und seine Eindrücke verschriftlichte, schwärmte er von der Stadt. Er selbst empfand Italien und ganz besonders Rom als bewundernswert: als eine Stadt die vor Leben sprüht, dieses wird durch die Leute, die Atmosphäre und die Sehenswürdigkeiten (Natur) widergespiegelt. Doch wie Herta Müller in ihrem Werk „wie Wahrnehmung sich erfindet“ schreibt, ist die Wahrnehmung ein komplexer Sachverhalt der nicht klar definiert werden kann. Somit ist die Wahrnehmung veränderbar. Jedoch behielt jeder Literat der über diese Stadt positiv schrieb, diese Meinung auch. Es gab aber auch andere Interpreten, die nicht das gleiche wie Goethe wahrnahmen und spürten, bei ihnen war die Wahrnehmung nicht so positiv. Ich persönlich bin begeistert und eingeschüchtert zugleich. Begeistert, weil diese Stadt einem Goethe so viel gab, eingeschüchtert, weil meine Erwartungen so hoch sind, dass ich Sorge trage diese könnten nicht erfüllt werden, außerdem befürchte ich, ich könnte bestimmte Aspekte die diese Stadt so besonders machen nicht verstehen oder falsch deuten.

Elvis Bajraktarevic

 

Ich blicke auf Rom…

… und nehme wahr, dass es existiert. Diese Stadt ist ein besonderer Teil der Geschichte. Diese Stadt ist für den Einen etwas Besonderes, für den Anderen eher weniger. Für mich selbst ist sie geheimnisvoll und spektakulär. 

Weimar – Ein deutsches Pantheon?

Das Pantheon in Rom war einst vermutlich ein Tempel für alle Götter. Dieses Gebäude setzte die Maßstäbe für Architektur weltweit. Es ist ein Gebäude mit einem großen Einfluss auf die Welt.

Ist Weimar auch so ein Ort der Kunst- und Weltgeschichte?

Goethe holt Italien nach Weimar

Goethe lernte schon in seiner Kindheit die italienische Kunst kennen und lieben. Durch seine Italienreise war er endlich selbst in seinem Sehnsuchtsland und konnte die geliebte Kunst im Original betrachten. Diese Reise prägte ihn auch noch, als er schon längst wieder in Weimar war.

Er wollte ein Stück Italien nach Hause bringen. Doch wie gelang Goethe dieses ehrgeizige Vorhaben?

1797 übernahm Goethe die Oberaufsicht über die Weimarer Bibliothek, zu der auch die herzoglichen Kunstschätze zählten. Die wollte Goethe jedoch auch der Öffentlichkeit zugänglich machen.

Nach mehreren Umzügen fand die Sammlung – hauptsächlich aus Gemälden bestehend – ihren endgültigen Platz im heutigen Neuen Museum Weimar. Viele der Ausstellungsstücke waren zwar von deutschen Künstlern, jedoch war die Ausrichtung nach Italien unverkennbar. Neben wenigen Originalgemälden, u.a. von Giovanni Battista Tiepolo, ließ Goethe Kopien von den Kunstwerken der großen italienischen Maler wie Raffael, Michelangelo und Leonardo da Vinci anfertigen und ausstellen.

Die italienischen Einflüsse zeigen sich nicht nur im Inneren des Museums, sondern spiegeln sich ebenfalls in der Architektur des Gebäudes wider.

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https://www.klassikstiftung.de/fileadmin/user_upload/Einrichtungen/Museen/Neues_Museum_Weimar/2010_KSW_Liegenschaften_1021_web.jpg

Weimar holt Goethe aus Italien

Der Architekt orientierte sich am Kuppelbau des Pantheon. Die Kuppel zeigt den Mittelpunkt an und beherbergt das „Heiligste“. Im Neuen Weimarer Museum ist dies die Monumentalskulptur „Goethe und Psyche“. Umgesetzt wurde diese in abgewandelter Form von Carl Steinhäuser in seinem römischen Atelier.

Der klassizistische Goethe, nach griechisch-römischem Vorbild erschaffen, musste nun noch den Weg über die Alpen zurücklegen. Dies war sehr aufwendig. Mit Schiff und Bahn gelang es und Goethe kam nach Hause: nach Weimar. Was Goethe sich für seine Ballerina gewünscht hatte, wurde für seine eigene Skulptur nun möglich gemacht.

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https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Goethe_mit_der_Psyche.jpg

Geschichte in einer Nussschale

Über das Museum hinaus ist die ganze Stadt Weimar und ihre historischen Persönlichkeiten zu einem Ausstellungsort der deutschen und europäischen Geschichte geworden. Wie das Pantheon wurde auch Weimar wegweisend für die Kunst und die Architektur durch die Stilrichtung des Bauhauses, die sich weltweit verbreitete.

Rolf Bothe, ehemaliger Direktor der Kunstsammlungen zu Weimar:

„Wer hat in dieser thüringischen Kleinstadt, in diesem europäischen Pantheon, nicht alles gewirkt: Hector Berlioz ebenso wie Richard Strauss oder Felix Mendelssohn-Bartholdy, um neben Bach und Liszt noch einige Musiker zu nennen.“

Auch Lucas Cranach, Martin Luther, Nietzsche und andere Persönlichkeiten verbinden sich mit Weimar. Das sind alles Namen von herausragender Bedeutung. Sie alle haben in Weimar gewirkt und sich hier aufgehalten. Sie alle machten Weimar zu einer Stadt, die große Auswirkungen auf die Geschichte hatte und hat. In Weimar wird die deutsche und europäische Geschichte zusammengefasst und in einer Nussschale präsentiert.

Ja in der Tat: Weimar ist ein deutsches und sogar europäisches Pantheon.

 

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Nikola Schadeck
Viktoria Peters

 

 

Wir blicken auf Rom…

…und sehen im Rückspiegel Weimar, einen Knotenpunkt deutscher und europäischer Geschichte.

Die Lehren des Römischen Karnevals

Alles mitnehmen, was geht

Goethe lässt es sich nicht nehmen, den Römern zuzusehen, wie sie kräftig Karneval feiern. Doch das Feiern schmeckt ihm nicht: betäubender Lärm, Tollheit in höchsten Graden, ungeheures Gedränge, Gefahren, Mutwilligkeit, aufgehobene Ordnung, Unanständigkeit. Diese Ausgelassenheit befremdet ihn. Er ist nicht einer von ihnen. Er ist nur ein Beobachter.

„Leben und leben lassen“ ist aber die Devise der Römer in diesen Tagen. Keine Grenzen, keine Unterschiede. Aufeinander zugehen. Miteinander leben und tollen. Alles ist erlaubt. Das Volk nimmt sich eben, was ihm nicht gegeben wird. Und ein Glockenton gibt den Startschuss, in einen Leichtsinn zu verfallen, vor dem man sich sonst im Laufe des Jahres zu hüten pflegt.

Der Trubel ist es wert, dass er dem Leser vor Augen geführt wird, meint Goethe. Nicht nur, weil das Gefühl auf seine Art und Weise faszinierend ist. Eine gewisse Kunst sieht Goethe in der treibenden Masse, ein Eigenleben in der Unordnung und in dem Getümmel, das er in einem solchen Ausmaß so noch nicht miterlebt hat.

„[…] so werden wir mitten unter dem Unsinne auf die wichtigsten Szenen unseres Lebens aufmerksam gemacht.“ (J. W. Goethe; Das Römische Karneval)

Das ganze Leben – ein Karneval

Er sieht noch tiefer. Sein künstlerischer Blick wird philosophisch und er entdeckt in der Masse Szenen des Lebens: Entstehung des Daseins, der Liebe, Schwimmen im Strom. Und manchmal wird man auch im Vorwärtskommen gebremst. Das Leben ist also wie das Römische Karneval: ungebremst, unübersichtlich und bedenklich. Alles ist flüchtig. Nur im Vorbeifliegen, wie gescheuchte Pferde, im Taumel des Wahnsinns wird das Dasein marginal wahrgenommen, doch an Gefahr grenzend am tiefsten empfunden, resümiert der reisende Goethe.

Doch Goethe wäre nicht Goethe, wenn er nicht seinen Lesern zum Schluss eine Weisheit ans Herz legte. Bedrückt soll trotzdem keiner angesichts des vergänglichen Lebens sein. Er erinnert uns: Der Augenblick ist wichtig. Gerade im Flüchtigen.

 

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Irene Warkentin

 

Ich blicke auf Rom…

… mit dem Wunsch, es noch einmal zu sehen, aber nun Goethes Spuren folgend.

Goethes rosarote Brille

Das Rombild der Elegien

Goethes zwanzig Römische Elegien nehmen uns mit auf eine Reise durch Rom mit den Augen eines Verliebten. Diesen Blick haben auch einige Schülerinnen der Oberstufe des St. Michael Gymnasiums in Paderborn am Projekttag im Museum am 23.06.2017 eingenommen und die fünfte Elegie verbildlicht. Die Bilder der Schülerinnen zeigen häufig den Ablauf eines typischen Liebesfilms, dessen Handlung jedoch nie ohne die Stadt Rom möglich ist, und betrachtet man die römischen Elegien in ihrer Ganzheit, ist schnell klar, dass nicht nur die Liebesgeschichte zu einem Mädchen behandelt wird, sondern hier auch jemand spricht, der sich in eine Stadt verliebt hat. „Erotica Romana“ war schließlich auch der ursprüngliche Titel der Gedichtsammlung. Dieser wurde zwar für die Veröffentlichung geändert, doch die Verbindung im Text bleibt bestehen. Der AMOR ist in ROMA immer leicht zu finden.

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„Doch ohne die Liebe/ Wäre die Welt nicht die Welt, wäre denn Rom auch nicht/ Rom“ (J.W.v. Goethe, erste Elegie)

Beginnen wir jedoch von vorne, mit der ersten Elegie und der ersten Berührung mit der Stadt in diesem fiktionalen Kontext. Der Zugang fällt zunächst schwer, die Gebäude der Stadt bleiben stumm und sind dem lyrischen Ich verschlossen, weil es selbst noch als bedächtiger Mann durch die Straßen wandert und die Liebe noch nicht entdeckt hat.

Langsam nur tastet sich das lyrische Ich an die Stadt heran, doch werden schon bald antike Götter als Beispiele heraufbeschworen, um das Nachgeben der Geliebten zu entschuldigen. Die mythische und geschichtliche Vergangenheit Roms wird hier mit dem Liebeserlebnis verknüpft.

Diese Verflechtung beider Konzepte wird im Folgenden fortgesetzt und findet ihren Höhepunkt im fünften Gedicht. Das lyrische Ich kann sich jetzt endlich die römische Welt erschließen, sie redet zu ihm und es macht ihm Freude, die Vergangenheit zu studieren. Doch ist bei all dem die Geliebte stets präsent, nach der sich das lyrische Ich zurücksehnt und die es ihm erst ermöglicht Rom mit seiner langen Geschichte und unzähligen Geschichten vollends zu genießen.

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„Und belehr ich mich nicht? wenn ich des lieblichen BusensFormen spähe, die Hand leite die Hüften hinab. Dann versteh ich erst recht den Marmor, ich denk‘ und vergleiche,Sehe mit fühlendem Aug‘, fühle mit sehender Hand.“ (J.W.v. Goethe, fünfte Elegie)

 

 

 

Nach dem anfänglichen Zögern, erreichen die Elegien nun eine regelrechte Hochstimmung. Froh wird unter hohem, klarem Himmel das erreichte Verständnis ausgerufen, bevor sich nach einige kürzeren Stücken der Fokus verschiebt und ein anderes Rom in den Vordergrund tritt.

Es ist der ländliche Raum, der durch Naturbeschreibungen wie jener ein herbstlicher Sonnenuntergang in den Gedichten zum Leben erweckt wird. Die römische Lebensart wird gegen die des grauen Nordens gesetzt und das lyrische Ich zelebriert seine neu gewonnene Freiheit, die sich auch auf den Eros bezieht. Die dreizehnte und fünfzehnte Elegie vereint die Kräfte der Natur, der Antike und der Mythen  miteinander in Harmonie, die erst durch Amor möglich geworden ist.

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„Jeder Reisende klagt, er finde schlechte Bewirtung; / Welchen Amor empfiehlt köstlich bewirtet ist er.“ (J.W.v. Goethe, dreizehnte Elegie)

Liebe und Leidenschaft zu einer Person treten in den Elegien in eine Wechselbeziehung zum Erfahren einer Stadt. Die Liebe zur Person wird durch den Ort mythologisiert, die Stadt wird erst durch die Liebe voll erlebbar. Gerade diese untrennbare Verbindung macht Goethes Römische Elegien zu einer lohnenswerten Lektüre. Sie lassen uns den Ort Rom neu entdecken, egal ob man schon einmal dort war oder ihn bisher nur aus der Ferne betrachtet hat.

 

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Lea Klara Schmidt

 

Ich blicke auf Rom…

… als eine pulsierende Großstadt, deren Ausstrahlung historische wie auch geographische Ferne bis heute überwindet.

 

Ist Schönheit eine Frage der Zeit?

Der Schönheitsbegriff an sich oder die Frage, was schön ist, ist eine Frage, die seit Langem nicht nur noch Frauen beschäftigt. Seit jeher wird von der Gesellschaft festgelegt, was schön ist und was nicht. Dabei geraten besonders Frauen in den Fokus. Ein Schönheitsideal wird heute in Fernsehwerbungen, Zeitschriften und auch von Frauen selbst definiert. Während es vor 240 Jahren noch Schriftsteller wie Christoph Martin Wieland waren, die das Schönheitsideal von Männern und Frauen bestimmt und vor allem beschrieben haben.

Schönheitsideal der Antike als Vorbild

Wielands Schönheitsbegriff, der hier nur kurz angesprochen wird, konzentriert sich vor allem auf das Vorbild der antiken Schönheit. So hat er in seinem Text „Gedanken über die Ideale der Alten“ ein Schönheitsideal beschrieben, dass vor allem von den äußeren Umständen, in denen die Menschen gelebt haben, abhing. Diese Umwelteinflüsse und Bedingungen bestimmten, ob man schön ist, bzw. bleibt. Die Griechen waren daher ein Vorbild für Wielands Schönheitsbegriff, da ihre äußeren Umstände genau richtig waren, um Schönheit hervorzubringen. Heißt aber nicht, dass sie vollkommen waren. Denn im Gegensatz zu heute, zeigt Wieland auf, dass es eine ideale Schönheit nicht geben kann, denn kein Mensch ist vollkommen und kann es je werden. Aber nicht nur die alten Griechen konnten dieses angestrebte Ideal erreichen: vieles hing bei Wieland von den Umwelteinflüssen ab, so wäre genauso gut auch bei Deutschen, Franzosen etc., Schönheit möglich gewesen.

Schönheit heute

Auch wie Schönheit heute definiert wird, ist ein Themenbereich, dessen Ausmaß fast unermesslich ist. In den letzten Jahren hat sich ein Trend nach Andersartigkeit durchgesetzt. Zwar ist es immer noch so, dass hauptsächlich Models dem Ideal der Gesellschaft entsprechen. Allerdings setzen sich auch Frauen, bzw. Männer durch, die durch Makel auffallen. Obwohl der Begriff Makel hier kritisch betrachtet werden muss, da es nur ein Makel nach dem „alten“ klassischen Schönheitsideal ist. So zeigt sich ein Trend, der nicht nach Perfektion strebt und dass dieser vor allem Frauen den Druck nimmt. Denn was man sicher sagen kann, ist, dass Schönheit ein subjektives Erlebnis ist und niemand Schönheit festlegen kann. So zeigt sich doch gerade an der Ballerina di Goethe, dass Schönheit vor allem mit absoluter Sicherheit zeitlos ist.

 

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Anna-Sophia Laubersheimer

 

Ich blicke auf Rom…

 
…durch die Augen von Wieland: als Ort, dessen Vorbildcharakter für die Literatur keinem anderen gleicht. Das antike Rom als Schöpfer von Künstlern und Gelehrten, deren Werke uns bis heute, vor allem durch die Arbeit von Wieland, inspirieren.

 

Goethes Reiseblog

Ein Dichter macht es vor

Die Ausstellung „Wunder Roms“ im Diözesanmuseum Paderborn zeigt viele Facetten und einen historischen Querschnitt der Geschichte dieser, ja schon fast magisch behafteten Stadt. Rom scheint ein Phänomen mit großer Anziehung zu sein, da die Stadt seit je her in allen möglichen Bereichen Erwähnung findet, wenn es um die Prägung von Idealen geht: Ob der Lifestyle an sich, die Einstellung der Bewohner, die Kunst, die Architektur, das Essen, der Genuss… Dort an Ort und Stelle scheint sich alles zu vereinen. Zumindest geben uns Romreisende, egal ob zur heutigen Zeit oder aus der Vergangenheit, durch ihre Berichte diesen Eindruck.

Im 18. Jahrhundert waren es nicht mehr nur die Kavaliersreisenden, die voller Euphorie und Visionen im Gepäck eine Reise nach Rom in Angriff nahmen. Es waren Künstler, Dichter und Denker, Archäologen und noch viele mehr. Und sie alle erzählen ihre eigene Romgeschichte und sie alle lösten eine noch größere Südensehnsucht mit der Idee der bella vita aus.

„Ein Reisender, der feine Empfindung genug hat, um durch die Schönheiten, woran die Natur in Italien so reich ist und welche die Kunst weit übertreffen, gerührt zu werden, der trifft in diesem Lande eine Menge von Szenen an, welche ihm die größte Abwechslung darbieten.“ (Johann Jakob Volkmann/Historisch-Kritische Nachrichten aus Italien (1770/71))

So wurde Rom immer mehr zu einer Art Pilgerstätte. Also kam auch Goethe nicht umhin seinen Sehnsüchten nachzugehen und seinem tristen Alltag zu entkommen: Zunächst hielt er die Eindrücke seiner fast zwei Jahre langen Italienreise mit zwei längeren Romaufenthalten in Tagebüchern fest. Erst etwa dreißig Jahre später verwandelte er die Aufzeichnungen in sein zweibändiges Werk „Italienische Reise“ als Teil seiner autobiographischen Schriften.

Was wäre, wenn Goethe erst jetzt zur heutigen Zeit seine Italienreise gemacht hätte?

– Richtig! Er wäre erfolgreicher Reiseblogger.

Die heutige Jugendgeneration postet ihre Begeisterung auf Twitter, Facebook und Co. und nutzt diese Medien als Sprachrohr. Ihre scheinbar ideale Welt wird mit Momentaufnahmen untermauert, um die Reiseeindrücke nach außen hin komplett zu machen. Für den Moment.

Goethe dagegen griff selbst zu Zettel und Stift, hielt seine Erlebnisse sowie auch seine visuellen Erfahrungen bildlich und schriftlich fest. Das Wahrnehmen und Erleben besonderer Augenblicke machte er zum Gegenstand und formte damit seinen vermeintlichen Reisebericht dokumentarisch, künstlerisch, aber auch subjektiv.

„Wie moralisch heilsam ist mir es dann auch, unter einem ganz sinnlichen Volke zu leben, über das so viel Redens und Schreibens ist (…)“ (J.W. Goethe/Italienische Reise)

Damit stellt er nicht nur einen einzigen Moment heraus, der die Vision eines perfekten Lebens zeigt, wie es heute auf den Social-Media-Kanälen der Fall ist. Nein – er macht ein Miterleben möglich, da seine Überzeugung aus dem Erlebten heraus gewachsen ist. Seine Begeisterung ist das Konzept und das macht sein Werk so nachvollziehbar und einzigartig.

„Mir wenigstens ist es, als wenn ich die Dinge dieser Welt nie so richtig geschätzt hätte als hier.“ (J.W. Goethe/Italienische Reise)

Goethe vereinigt seinen subjektiven Blick mit einem historischen Zeugnis und verewigt dies in einem literarischen Text im Stil eines Reiseberichts. Somit hat er eine neue Form geschaffen. Für mich wäre er heute DER Reiseblogger schlechthin!

 

Foto Schmelzer Reiseblogs
Julika Schmelzer

Ich blicke auf Rom…

… mit einer ehrfürchtigen und faszinierten Distanz,mit dem Wunsch dorthin zu reisen,aber mit der Angst nach all der Begeisterung enttäuscht zu werden.