Goethes rosarote Brille

Das Rombild der Elegien

Goethes zwanzig Römische Elegien nehmen uns mit auf eine Reise durch Rom mit den Augen eines Verliebten. Diesen Blick haben auch einige Schülerinnen der Oberstufe des St. Michael Gymnasiums in Paderborn am Projekttag im Museum am 23.06.2017 eingenommen und die fünfte Elegie verbildlicht. Die Bilder der Schülerinnen zeigen häufig den Ablauf eines typischen Liebesfilms, dessen Handlung jedoch nie ohne die Stadt Rom möglich ist, und betrachtet man die römischen Elegien in ihrer Ganzheit, ist schnell klar, dass nicht nur die Liebesgeschichte zu einem Mädchen behandelt wird, sondern hier auch jemand spricht, der sich in eine Stadt verliebt hat. „Erotica Romana“ war schließlich auch der ursprüngliche Titel der Gedichtsammlung. Dieser wurde zwar für die Veröffentlichung geändert, doch die Verbindung im Text bleibt bestehen. Der AMOR ist in ROMA immer leicht zu finden.

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„Doch ohne die Liebe/ Wäre die Welt nicht die Welt, wäre denn Rom auch nicht/ Rom“ (J.W.v. Goethe, erste Elegie)

Beginnen wir jedoch von vorne, mit der ersten Elegie und der ersten Berührung mit der Stadt in diesem fiktionalen Kontext. Der Zugang fällt zunächst schwer, die Gebäude der Stadt bleiben stumm und sind dem lyrischen Ich verschlossen, weil es selbst noch als bedächtiger Mann durch die Straßen wandert und die Liebe noch nicht entdeckt hat.

Langsam nur tastet sich das lyrische Ich an die Stadt heran, doch werden schon bald antike Götter als Beispiele heraufbeschworen, um das Nachgeben der Geliebten zu entschuldigen. Die mythische und geschichtliche Vergangenheit Roms wird hier mit dem Liebeserlebnis verknüpft.

Diese Verflechtung beider Konzepte wird im Folgenden fortgesetzt und findet ihren Höhepunkt im fünften Gedicht. Das lyrische Ich kann sich jetzt endlich die römische Welt erschließen, sie redet zu ihm und es macht ihm Freude, die Vergangenheit zu studieren. Doch ist bei all dem die Geliebte stets präsent, nach der sich das lyrische Ich zurücksehnt und die es ihm erst ermöglicht Rom mit seiner langen Geschichte und unzähligen Geschichten vollends zu genießen.

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„Und belehr ich mich nicht? wenn ich des lieblichen BusensFormen spähe, die Hand leite die Hüften hinab. Dann versteh ich erst recht den Marmor, ich denk‘ und vergleiche,Sehe mit fühlendem Aug‘, fühle mit sehender Hand.“ (J.W.v. Goethe, fünfte Elegie)

 

 

 

Nach dem anfänglichen Zögern, erreichen die Elegien nun eine regelrechte Hochstimmung. Froh wird unter hohem, klarem Himmel das erreichte Verständnis ausgerufen, bevor sich nach einige kürzeren Stücken der Fokus verschiebt und ein anderes Rom in den Vordergrund tritt.

Es ist der ländliche Raum, der durch Naturbeschreibungen wie jener ein herbstlicher Sonnenuntergang in den Gedichten zum Leben erweckt wird. Die römische Lebensart wird gegen die des grauen Nordens gesetzt und das lyrische Ich zelebriert seine neu gewonnene Freiheit, die sich auch auf den Eros bezieht. Die dreizehnte und fünfzehnte Elegie vereint die Kräfte der Natur, der Antike und der Mythen  miteinander in Harmonie, die erst durch Amor möglich geworden ist.

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„Jeder Reisende klagt, er finde schlechte Bewirtung; / Welchen Amor empfiehlt köstlich bewirtet ist er.“ (J.W.v. Goethe, dreizehnte Elegie)

Liebe und Leidenschaft zu einer Person treten in den Elegien in eine Wechselbeziehung zum Erfahren einer Stadt. Die Liebe zur Person wird durch den Ort mythologisiert, die Stadt wird erst durch die Liebe voll erlebbar. Gerade diese untrennbare Verbindung macht Goethes Römische Elegien zu einer lohnenswerten Lektüre. Sie lassen uns den Ort Rom neu entdecken, egal ob man schon einmal dort war oder ihn bisher nur aus der Ferne betrachtet hat.

 

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Lea Klara Schmidt

 

Ich blicke auf Rom…

… als eine pulsierende Großstadt, deren Ausstrahlung historische wie auch geographische Ferne bis heute überwindet.

 

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